Der FC Bayern München ist die wertvollste Fußballmarke

Der FC Bayern München ist die wertvollste Fußballmarke weltweit. Mit einem Markenwert von 668 Millionen Euro hat sich der deutsche Rekordmeister laut Brand Finance im aktuellen Ranking am Premier League Club Manchester United (650 Millionen Euro) vorbei geschoben. Auf Platz drei folgt Real Madrid (482 Millionen Euro). Erstmals in den Top 10 vertreten ist Borussia Dortmund (202 Millionen Euro). Auf Platz 20 vorgerückt ist der wieder in der Champions League vertretene SSC Napoli, “mein Verein” aus Bella Italia.

Quelle: http://de.statista.com/themen/24/fussball/infografik/1134/die-wertvolllsten-fussballmarken-weltweit-2013/

Die Fußballberichterstattung in der italienischen Presse – Eine inhaltliche und sprachliche Analyse

Teil 1

1. Einleitung

In der vorliegenden Diplomarbeit (alte Rechtschreibregeln) habe ich mich mit der inhaltlichen und sprachlichen Analyse der Fußballberichterstattung in der italienischen Presse beschäftigt, d.h. mit der Berichterstattung über eine Sportart, die in Italien die größte Anziehungskraft und Anhängerschaft besitzt und erst mit großem Abstand vom Radsport, Box-, Basketball- und Leichtathletiksport gefolgt wird.

Die Beliebtheit des Fußballsports findet ihren Ausdruck u.a. in den hohen Zuschauerzahlen, d.h., die Stadien in Mailand, Turin, Florenz, Rom, Neapel usw. sind jeden Sonntag voll von “tifosi” (das ist der treue Anhang, der allwöchentlich seine Mannschaft anfeuert, in der Hoffnung, sie siegreich zu sehen).

Die Popularität dieses Massensports schlägt sich aber auch in der Tatsache nieder, daß ihm von allen Sportarten der meiste Platz in der Berichterstattung der Tagespresse eingeräumt wird. Selbst in Sporttageszeitungen, wie z.B. der “Gazzetta dello Sport”, gilt die Berichterstattung fast ausschließlich der beliebtesten Sportart der Italiener.

Um die Fußballberichterstattung in der italienischen Presse zu untersuchen, habe ich mich zahlreicher Ausgaben der Tageszeitungen “La Stampa/Stampa Sera” und “Corriere della Sera”, sowie der Sporttageszeitungen “Gazzetta dello Sport” und “Corriere dello Sport” bedient. Einen Teil des Materials, d.h. die Ausgaben der Monate Juli-September, habe ich in Italien analysiert, wo ich auch die Gelegenheit hatte, mich in Zweifelsfällen, insbesondere bei der Erarbeitung des Kapitels “Neologismen”, an “fachkundige” Italiener zu wenden.

Ich habe mich vor allem darum bemüht, jedes Kapitel mit Beispielen aus der italienischen Presse zu belegen; das gilt nicht nur für den sprachlichen Teil, auf dem der Hauptakzent meiner Untersuchung liegt, sondern auch für den inhaltlichen.

2. Die italienische Fußballmeisterschaft – Rückblick

Das Fußballspiel wurde zwar nicht von den Engländern erfunden – bereits die alten Griechen und Römer trugen Ballspiele aus, auch wenn sich diese wesentlich vom modernen Fußballspiel unterschieden -, aber im 19. Jh. neu entdeckt und in alle Welt getragen. In den “public schools” wurde es geformt, und 1963 wurde ein Fußballverband gegründet, die sog. “Football Association”, die feste Spielregeln aufstellte und das Spiel von den anderen Fußballspielen wie etwa “rugby” abgrenzte. Seitdem heißt es “soccer” (eine wahrscheinlich im Universitätsjargon entstandene Kurzform). In kurzer Zeit hat es die Welt erobert. So ist es wohl berechtigt, England als “Mutterland” des Fußballs zu bezeichnen.

Im Jahre 1898 fand in Italien die erste Fußballmeisterschaft statt; an ihr nahmen vier Mannschaften teil und sie wurde an einem einzigen Tag ausgetragen. Als Titelsieger ging die Mannschaft von Genua hervor. In den darauffolgenden Jahren – nach weiteren Erfolgen der ligurischen Mannschaft, sowie der Mannschaften AC Mailand, Juventus Turin, Pro Vercelli und Inter Mailand – wurde der Kreis der Mannschaften infolge der zunehmenden Popularität des Fußballsports immer größer. Hinzu kamen Vereine aus der Provinz, wie Novese und Casale, und ab 1925 gelang es auch den Mannschaften von Bologna und Turin sich zu behaupten. Die ersten drei Jahrzehnte des italienischen Fußballnationalsports brachten namhafte Spielerpersönlichkeiten wie Cevenini I, Cevenini III, Santamaria, Magnozzi, Bernardini, De Prà, Conti, Della Valle, Janni, u.a. hervor.

Doch die eigentliche Geschichte der italienischen Fußballmeisterschaft beginnt im Jahre 1929/30, als 18 Mannschaften an einem Fußballturnier teilnahmen, das von Abrosiana-Inter gewonnen wurde. Bereits im darauffolgenden Jahr begann die lange Vorherrschaft von Juventus Turin, Gewinner von fünf Meisterschaftstiteln in Folge, dank ausgezeichneter Spieler wie des Torwarts Combi, der Verteidiger Rosetta, Caligaris, Varglien I, Bertolini, Monti, der Stürmer Cesarini, Orsi und Borel. Ihre härtesten Konkurrenten waren die Mannschaften von Ambrosiana-Inter, Rom und Bologna; weitere berühmte Spieler aus jener Zeit sind Monzeglio, Pitto, Ferraris IV, Costantino, Serantoni und Allemandi.

In der Fußballsaison 1935/36 begann für Juventus Turin eine lange Phase des Niedergangs: Fortan übernahmen die Vereine von Bologna (vier Meistertitel) und Ambrosiana-Inter (zwei Meistertitel) die führende Rolle. Als neue Spielerpersönlichkeiten traten u.a. hervor: Andreolo, Ceresoli, Biavati von Bologna, und Locatelli, Frossi, Ferraris II von Inter Mailand, sowie Foni, Rava, Depetrini, Colaussi, Olivieri, und nicht zuletzt Meazza, Piola und Ferrari.

Durch die Wirren des Krieges wurde die Fußballmeisterschaft für ein Jahr unterbrochen (1943-44). In der Saison 1941/42 errang der AS Rom seinen ersten Meistertitel, in den fünf Jahren darauf der AC Turin, der zugleich zum Aufschwung der italienischen Nationalmannschaft beitrug mit Spielern wie Bacigalupo, Ballarin, Maroso, Castigliano, Grezar, Loik, Gabetto und Valentino Mazzola. Am 4. Mai 1949 kam jedoch die gesamte Mannschaft bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Damals übernahmen Juventus Turin, Inter Mailand und AC Mailand bis 1967/68 die Vorherrschaft im italienischen Fußball: Von allen Mannschaften errangen sie die meisten Meistertitel.

Im Jahr 1949 ließ der italienische Fußballverband die Verpflichtung von ausländischen Fußballspielern zu; die Folge war eine Zunahme des Fußballinteresses im ganzen Land.

Durch den Kauf ausländischer Fußballspieler wie die Skandinavier Jeppson, Gren, Nordahl, Liedholm, Skoglund, Hamrin, die Südamerikaner Schiaffino, Montuori, Julinho, Angelillo, Maschio, Sivori, Altafini, die Spanier Suarez und Del Sol, der Waliser Charles, die Deutschen Schnellinger und Haller, verbesserte sich das technische Niveau der italienischen Mannschaften.

Der italienische Fußball besteht gegenwärtig aus den beiden sog. Profligen “serie A” und “serie B”1 und den Halbprofiligen “serie C” und “serie D”. Am Ende einer Meisterschaft steigen die ersten drei Mannschaften der “serie B” in die “serie A” auf, die letzten drei der “serie A” steigen in die “serie B” ab.

Analog steigen die drei letzten Mannschaften der “serie B” in die “Seria C” ab, während die drei Tabellenersten der “serie C”, die in drei Gruppen untergliedert ist, in die “serie B” aufsteigen; die “serie D” ist übrigens in sechs Gruppen unterteilt.

Für einen Sieg erhält eine Mannschaft zwei3, für ein Unentschieden einen Punkt. Es gibt aber auch ein anderes Bewertungskriterium, die sog. “media inglese”2 (auch “media scudetto” genannt).

1Entspricht in Deutschland der 1. bzw. 2. Bundesliga
2Siehe Kapitel 7.1.
3Stand 2012: Drei Punkte für einen Sieg

 

Teil 2

3. Aufbau und Form der Wortberichterstattung im Inhalt der Fußballpresse: Einzelne Varianten und ihre Funktionen

Der Sportteil der Tageszeitungen sowie die Sporttageszeitungen setzen keine Kenntnis von den Sportveranstaltungen voraus. Ihre Berichterstattung bedeutet für den Leser, der von ihnen Aktualität, Universalität und Periodizität fordert (Häupler 1950: 144), immer ein Novum, auch wenn er der Sportveranstaltung beiwohnte, denn ihre Flüchtigkeit und Variabilität läßt ihn einzelne Momente vergessen, deren Beschreibung er “schwarz auf weiß” sehen will. Der nicht informierte sowie der bereits unterrichtete Leser bilden eine Voraussetzung für die Fußballberichterstattung, die dem Leser in Nachrichtenform schnell, sachlich und kurz das Ergebnis der Fußballspiele vermittelt., Die mitgeteilten Ereignisse stammen aus der unmittelbaren Vergangenheit; der an jedem Fußballwochenende sich erneuernde Nachrichtenstrom erlaubt keine weitere Stellungnahme zu den Ereignissen des letzten Fußballwochenendes. Nur von besonderen Vorkommnissen in der Fußballwelt, die ihren Neuigkeitswert länger behalten (z.B. der Bestechungsskandal 1980), wird wiederholt berichtet; diese Nachrichten sind von sekundärer Aktualität, da die Spiele des Wochenendes für immer neuen Gesprächsstoff sorgen.

Die höchste Forderung der Leser an den Fußballteil besteht darin, daß dieser die augenblickliche Lage des Fußballgeschehens mitteilt. Die Aktualität des Nachrichtendienstes im Fußballteil hält eine Woche an; infolge des regelmäßig steigenden und sinkenden Neuigkeitswertes des Fußballteils kann man von einer periodischen Aktualität in der dem Fußballsonntag folgenden Ausgabe sprechen. Die Fußballteile nach dieser Ausgabe während der Woche weisen mit ihren Rückblicken, Nachlesen und gelegentlichen Stellungnahmen zu sportlichen Problemen eine sekundäre Aktualität auf; die Aktualitätskurve steigt in der Ausgabe vor dem Sportsonntag plötzlich an.

Die Berichterstattung des Fußballteils hat den Vorteil, daß der Leser weiß, wann und wo die Spiele stattfinden. Sie ist nicht auf die Zufälligkeit der Ereignisse angewiesen; sie sind Woche für Woche vorausbestimmbar. Die genauen Zeitabstände zwischen den Fußballereignissen an den Sonntagen verleihen der Berichterstattung im Sportteil eine periodische Aktualität.

Die Struktur der Berichterstattung in der Fußballpresse wird von dem Umstand bestimmt, daß nach dem Fußballwochenende das Material am umfangreichsten und das Interesse der Leser am größten ist. Die Berichterstattung flaut während der Woche ab und nimmt zum Wochenende wieder zu. Zu dieser Berichterstattung werden Meldungen und Kommentare herangezogen (Kurz- und Ergebnismeldungen, Tabellen, Kampfberichte, usw.); dabei bilden Bericht und Nachricht ihre Inhaltsformen (TRAUB 1933: 36).

Diese Inhaltsformen werden in der Fußballpresse nach fachlichen Gesichtspunkten voneinander getrennt gehandhabt. Man unterscheidet:

a) Vorschaunachricht und Vorschaubericht
b) Resultatnachricht und Resultatbericht
c) Rückschaunachricht und Rückschaubericht

 

Dieser Aufbau trägt dazu bei, den Leser in dauernder Spannung zu halten, die aus dem Fußballeben durch die buchstäblich vorher zu errechnenden und wöchentlich sich wiederholenden Erregungsmomente nicht wegzudenken ist. Die Wortberichterstattung der Fußballpresse hat mit der Möglichkeit der Vorhersage des Fußballtreffens einen wesentlichen Vorteil gegenüber der Berichterstattung in anderen Pressesparten, die nicht immer ein Ereignis ankündigen können. Kein anderes aktuelles Geschehen kann so in den Einzelheiten vorherbestimmt werden wie ein Fußballspiel, dessen Termin Wochen vorher bekannt ist. Ankündigung, Eintreffen und Kritik eines Fußballereignisses wirken oft als Sensation für die Leserschaft, wenn die Mutmaßungen der “öffentlichen Meinung” hinsichtlich eines kommenden Fußballspiels durch dessen tatsächlichen Verlauf völlig fehlgehen, oder unberechenbare, von der “fachkundigen Leserschaft” nicht erwartete Ergebnisse herauskommen. Der Leser wird durch eine Nachricht wie

Stasera a Madrid gli azzurri a caccia di un titolo che ci sfugge da 44 anni. (Corriere della Sera, 11.7.1982)

auf die kommenden Ereignisse aufmerksam gemacht; sie stellt nur eine Vorankündigung dar, die keinerlei Vermutungen oder Meinungen über den eventuellen Ausgang in sich trägt.

Die Vorschaunachricht hat den Zweck, den Leser objektiv über Teilnehmer, Ort und Zeit der Begegnung zu unterrichten. Ein Bericht mit näheren Einzelheiten der Mannschaften, ihrer Spielstärke und ihren Aussichten gibt dem Leser eine knappe Vorschau, die ihm schon mehr berichtet als die bloße Wortmeldung.

Der Vorschaubericht gibt dem Leser einen umfassenden Überblick über die künftigen Fußballbegegnungen; er nimmt häufig Stellung zu dem möglichen Ausgang des Treffens:

Italia-Polonia per continuare a sognare; si potrà soffrire oltre il previsto ma non dimentichiamo che gli azzurri hanno già demolito due potenze del calcio. (Corriere della Sera, 8.7.1982)

Eine Nachricht wie

L’Ajax, avversario della Juventus in Coppa Campioni, ha battuto in campionato il Telstar per 7-0. (Stampa Sera, 6.3.1983)

ist als Resultatnachricht zu bezeichnen, da sie nur in lapidarer Kürze Mannschaften, Ort, Zeit und Ergebnis meldet.

Der Resultatbericht kommentiert und beschreibt die Umstände, wie es zu dem Ergebnis kam:

Bearzot spiega com’è nato il miracolo azzurro. (Corriere della Sera, 13.7.1982)

Über ein bereits länger zurückliegendes Geschehen, das an Aktualität verloren hat, aber noch keinen endgültigen Zustand darstellt und somit auch die Diskussion darüber unter der Oberfläche der aktuellen Tagesereignisse noch nicht erloschen ist, informiert die Rückschaunachricht:

Nuovamente rinviata a Teheran una decisione sull’espulsione di Taiwan dalla Federazione internazionale di calcio (Fifa). (La Stampa, 21.3.1978)

Der Rückschaubericht schließlich schildert Werden, Ursache und Folgen des Fußballspiels und dient der nochmaligen Betrachtung des Fußballtreffens oder eines damit zusammenhängenden Ereignisses aus einem zeitlichen Abstand heraus:

Trap ‘rivive’ errori e gioie.1

Der Resultatbericht ist von all diesen Varianten der essentielle Bestandteil der Wortberichterstattung in der Fußballpresse. Er enthält eine sachlich richtige und für den Fußballinteressierten wertvolle Schilderung der Fußballbegegnung; ihm ist ein persönliches Urteil und das Eingehen auf die Einzelheiten in erster Linie vorbehalten. Ferner enthält er Milieuschilderungen und Stimmungsbilder zur Auflockerung der Spielberichterstattung mit ihrer trockenen Aufzählung der einzelnen Phasen des Spiels:

Le navi lasciano il porto stracariche di turisti che tornano sul continente, ma in molti hanno deciso di prolungare almeno di un giorno le vacanze per vedere in campo la Juventus. (Stampa Sera, 27.8.1984)

Oft werden die interessantesten Begegnungen ausführlich geschildert; der Zweck ist erfüllt, “wenn der Leser nachträglich zum indirekten Zeugen des Spieles wird” (HÄUPLER 1950: 157).

Die Angaben von Treffern, Punkten, sowie die Aufzählung der verschiedenen Höhepunkte, verleihen dem  Fußballbericht ein statistisches Aussehen: Neben den erzielten Toren werden Eck- und Strafstöße festgehalten.

Die Aufzählung des konkreten Ablaufs des Spieles und seines äußeren Rahmens, kombiniert mit einer kritischen Wertung, ergibt den Bericht, der zugleich mitteilt und kommentiert: Sachlicher Bericht (Resultat; Mannschaften, Wetter, Ort, Zeit und Ablauf) gekoppelt mit der kritischen Wertung (z.B. die Gründe für das Versagen eines Spielers, seine Gesamtleistung) und dem Rahmenbericht (z.B. Interview eines Trainers) gehören zu den Funktionen des Resultatberichts.

Sowohl Vorschau-, Resultat- und Rückschaubericht und -nachricht bieten dem Leser für mehrere Tage Unterhaltung und Informationsmaterial.

Die an einer hohen Auflage interessierten Zeitungen sind bemüht, ihm genügend Gesprächsstoff für die ganze Woche zu geben.

1Der Trainer von Juventus zwei Tage nach dem Spiel Juve-Ajax (4:1 nach Verlängerung).

 

Teil 3

3.1. Wesen der Bildberichterstattung

3.1.1. Allgemeines

Mit allen Sinnen erfaßt der Mensch seine Umwelt, wobei das “Sehen immer im Mittelpunkt der sinnlichen Wahrnehmung liegt” (HÄUPER 1950: 167). Es sind die optisch wahrnehmbaren Vorgänge, die dem Individuum das Erleben authentisch machen.

So spielt die Bildberichterstattung in der Fußballpresse eine ebenso wichtige Rolle wie die Wortberichterstattung, denn besonders in der sportlichen Welt wird das Sehen zur Erlebnisgrundlage.

Erst die Plastizität der Schau des Fußballkampfes ermöglicht dem Menschen ein vollständiges Erlebnis: Das Hören des Beifallssturmes der Zuschauermenge allein, während er vor dem überfüllten Stadion vergeblich auf Einlaß wartet, läßt in ihm falsche “Bilder” entstehen. Da aber zur objektiven Wahrnehmung der Vorgänge auf dem Fußballplatz das Sehen gehört, wird der vor den Stadiontoren Stehende sich erst ein tatsächliches “Bild” machen können, wenn er die kämpfenden Mannschaften selbst vor sich hat. Gelingt ihm dies nicht, so wird er sich wohl entweder durch Gespräche oder durch Wort- und Bildbericht der Sportpresse ein “Bild” von den Ereignissen machen können. Die Fußballbilder in der Presse bieten dem ferngebliebenen Betrachteter somit einen Ersatz für das zurückliegende Ereignis.

Der Mensch hat vor allem ein optisches Aufnahmebedürfnis, den Wunsch, primär zu sehen. Diesem Verlangen kommt die Fußballpresse durch Veröffentlichung eines reichhaltigen Bildmaterials nach.

Grundsätzlich unterscheidet die Presse zwischen aktuellem und illustrativ-bellestrischem Bild (HÄUPLER 1950: 173).

Das aktuelle Pressebild hat ohne Text lediglich Nachrichtencharakter, mit Text ist es mehr als Nachricht. Das illustrativ-belletristische Pressebild erkennt man aufgrund seines Verhältnisses zu den Tagesereignissen und seines künstlerisch-ästhetischen Akzents als solches. Beide für die Fotografie in der Fußballpresse als maßgeblich erkannten Bildtypen vermitteln

a) Kampfszenen (Massenszene, Einzelszene)
b) Rahmenbilder (Portrait, Panoramabild, Stimmungsbild).

 

Die Fülle und Variabilität des Sportgeschehens bringt natürlich eine Unzahl von Bildmöglichkeiten mit sich. So dominiert das aktuelle Kampfbild oder das dekorative Rahmenbild, alle Kategorien der Sportbilder können auf sie vereinigt werden. Der Fußballkampf bildet für das Fußballpressebild in jeder Form die Grundlage.

3.1.2. Der Bildtext

Tritt zum Bild ein Text, so wird die Phantasie des Menschen durch die Worte eingeengt, d.h., die Anschauung des Bildes wird vom Text geleitet. Der Betrachter ist damit auf den konkreten Bildinhalt aufmerksam gemacht und richtet sich danach. Hier nähert sich das Fußballpressebild einer Benachrichtigungsform; die Einheit von Bild und Schrift  dient auch in der Fußballpresse vor allem zur Information über einen realen Sachverhalt aus einem aktuellen Fußballspiel. Dem Betrachter eines Fußballbildes ist keineswegs gedient, wenn ein Schnappschuß aus einem Fußballspiel lediglich mit der Textierung “una parata temeraria del portiere” versehen wird, denn den gewagten Sprung des Torwarts bezeichnet er selbst als “temerario” oder “rischioso”, oder was ihm sonst an bewundernden Ausdrücken einfällt. Es ist nicht unbedingt erforderlich, den Torhüter als solchen vorzustellen, da er allein schon durch seine Sportkleidung (Handschuhe, Ellbogenschoner) oder die Mitwirkung seiner Hände erkannt wird. Die Bildunterschrift “una parata temeraria del portiere” wiederholt im Grunde nur, was der  Betrachter des Fotos schon selbst sieht. Es kommt vielmehr darauf an, das Bild präzise zu bestimmen:

Der Bildtext soll prägnant und verständlich ergänzen, was die Betrachtung allein nicht vermitteln kann. Er soll das Wesentliche des Kampfes treffen, dem Betrachter erläutern, was das Bild nicht sagen kann und läßt ihn in der Kombination von visuellem Erleben und lesbarer Wortnachricht zum indirekten Zuschauer des Augenblicks werden (HÄUPLER 1950: 176).

 In der Fußballpresse wird dieser informatorische Bildtext verlangt: Er gehört zum aktuellen Bild, das eine Kampfphase des Spiels festhält.

Die andere Art des Bildtextes, der nur wiederholt oder allgemeine Erklärungen gibt, bezeichnet man als umrahmenden Bildtext, der zur Ergänzung einer Fußballszene beigegeben ist. Er ist meistens mit dem illustrativ-belletristischen Typ gekoppelt, der den sportlichen Rahmen, die Stimmung des Augenblicks wiedergibt.

Die Fußballfotografie ist allgemein eine Unterart der Momentfotografie (“Schnappschuß”), die die schnellen Bewegungsvorgänge des Fußballsports bildscharf erfaßt. Wenn die Fußballfotos in der Presse allgemein interessante Motive erfassen müssen, so daß sie auch wirklich erregend, fesselnd und spannend einen Vorgang wiedergeben wie er sich abgespielt hat, so gilt dies für die Fußballberichterstattung im Speziellen, denn der Fußballsport bietet in überreicher Anzahl dramatische Motive, die die sensationelle Erregung des Betrachters hervorrufen und seine emotionalen Kräfte wecken.

Durch das aktuelle Fußballbild erhält der informatorische Charakter des Sportteils mit den Fußballberichten eine harmonische Ergänzung. Die Bildveröffentlichung in der Montagsausgabe nach dem Fußballsonntag zeigt einen neuesten Bildausschnitt aus der jüngsten Fußballbegegnung oder aus dem Rahmengeschehen desselben: Der universelle Wortinhalt wird durch aktuelle Bilder komplettiert. Der Fußballteil konzentriert sich auf das aktuelle Kampfbild mit seinem dramatischen, spannungsvollen Akzent. Es soll dem ästhetischen Empfinden des Lesers besonders nachkommen, d.h., Bilder von erschöpften Spielern mit verzerrtem, die Anstrengung des Körpereinsatzes widerspiegelnden Gesichtszügen, oder gar Bilddokumente von Verletzungen, können sich im Fußballteil psychologisch höchst unvorteilhaft auswirken, denn auch der Fußballuninteressierte und Fußballreaktionär wird sich beim Durchblättern zumindest die Fußballbilder auf der Sportseite anschauen. Die Fußballbilder sollten aber gerade in diesen Leserkreisen werbend wirken und einen unmittelbaren Einblick in die Technik des Kampfgeschehens ermöglichen.

Jedes fotografische Bild in der Sportpresse hat die prinzipielle Aufgabe, als aktuelles Kampfbild oder Feuilletonbild einem Kreis von fach- und sachkundigen Betrachtern zu dienen, wobei gleichzeitig das Meinungselement in ihm wirksam werden muss.

Mit Rücksicht auf das Sehen als Erlebnisgrundlage des Menschen ist ein

dramatischer Bildausschnitt von einem Kulminationspunkt des Sportgeschehens nach subjektiver Auswahl festzuhalten, der die subjektive, wahrheitsgemäße Erkenntnis eines Momentes des tatsächlichen Geschehens ermöglicht, und ohne Verfälschung des technischen Bildresultats nach journalistischen, fotografischen und sportfachlichen Gesichtspunkten zu veröffentlichen; das Ergebnis ist ein typisches, fotografisches Bild der Sportpresse (HÄUPLER 1950: 195).

4. Fußballsprache als Sondersprache

Der Fußballsprache kommt innerhalb der Sportsprachen besondere Bedeutung zu, denn sie ist die meistverbreitete und bekannteste Sondersprache des Sports, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, daß keine andere sportliche Disziplin in den Massenkommunikationsmitteln so ausführlich erörtert und dargestellt wird: “Il calcio è dominatore almeno all’ottanta per cento delle pagine sportive (…)” (MURIALDI 1981: 245).

Mit dem Begriff “Fußballsprache” pflegt man sowohl die Fachsprache des Fußballs, als auch den Jargon der Fußballspieler und Fußballinteressierten zu bezeichnen und somit mindestens zwei sprachliche Bereiche zusammenzufassen, die sich zwar ergänzen, jedoch in ihren Grundfunktionen und ihrem Sprachmaterial streng zu unterscheiden sind.

Die Fachsprache muß über terminologische  Bestimmungen verfügen, die diejenigen Normen eindeutig fixieren, die im Fußballspiel verbindlich sind. Im Gegensatz zur notwendigen Starrheit und Bestimmtheit der Fachsprache bietet der Jargon die Möglichkeit eines ungezwungenen und unverbindlichen Sprechens.

Die Fußballfachsprache basiert auf einer Reihe von terminologischen  Grundbestimmungen, die den äußeren Ablauf des Fußballspiels festlegen und die als so verbindlich anerkannt werden, daß man im Jargonvokabular vergeblich nach bedeutungsähnlichen Varianten oder Entsprechungen sucht. Einige dieser Begriffe sind:

calcio d’angolo, area di rigore, rigore, calcio di punizione, fuorigioco, primo tempo, secondo tempo, arbitro, segnalinee/guardalinee; cedere la palla, crossare, colpire di testa, allungare la palla, usw.

Mit der Kenntnis von Jargonwendungen kann man jedoch noch nachdrücklicher als mit der Beherrschung des Fachvokabulars beweisen, daß man zur Gruppe der Fußballspieler gehört.

Die Fußballsprache ist in einem Entwicklungsprozess begriffen, der bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. Sie hat sich ebenso wie die Entwicklung und Veränderung von Spieltechnik, Training und Organisation entwickelt und verändert. Lediglich die Sprache der Theorie, der Terminologie im strengen Sinne, ist unverändert geblieben. Sie wird selten geschrieben und läßt keinen Wandel mehr zu. Die Sprache der Praxis dagegen, also die Sprache des Spielers, des Zuschauers, des Reporters sowie der Presse, “lebt”. Der Fußballjournalist, der ein Fußballspiel beschreibt, ist maßgeblich an der Modifizierung und Weiterentwicklung der Fußballsprache beteiligt. Bei seiner journalistischen Tätigkeit verwendet er oft Ausdrücke, die er tagszuvor von Spielern oder Trainern gehört hat, um seinen Bericht lebendiger zu gestalten. Finden diese Begriffe Gefallen beim Leser, so gehören sie bald – nach mehrmaligem Erscheinen in der Presse – zum festen Bestandteil der Fußballsprache: “Das gesprochene Wort ist das Primäre. Es dringt nach einer gewissen Lebensdauer in das Schrifttum ein und findet von hier aus den Weg zur Allgemeinheit” (LUDGER 1973: 14).

Das Auftreten von Anglizismen ist ein wichtiges Kennzeichen der italienischen Fußballberichterstattung: Begriffe wie z.B. ‘penalty’ und ‘match’ sind zu Synonymen für ‘rigore’ bzw. ‘incontro’ geworden. Andere Ausdrücke, wie z.B. das englische ‘goal’, wurden der italienischen Sprache angepaßt, d.h. sie wurden italianisiert: Aus ‘goal’ wurde ‘gol’.

Desweiteren enthält die italienische Fußballsprache eine Reihe von Lehnübersetzungen: Das italienische ‘centravanti’ z.B. ist gleichbedeutend mit ‘centreforward’. Es gibt aber auch zahlreiche Ausdrücke der italienischen Umgangssprache, die zu Termini der Fußballsprache mit einer ganz spezifischen Bedeutung wurden: ‘porta’ z. B., in seiner ursprünglichen Bedeutung ‘Tür’, wurde zu ‘Fußballtor’:

Era il 5′ quando la testata di ‘Pablito’, ritrovato in versione superlusso, si è infilata nella porta del modesto Waldir Perez. (Corriere della Sera, 6.7.1982)

Fußball ist in Italien Volkssport Nr. 1, daher ist es nicht verwunderlich, daß die Fußballsprache, im Gegensatz zur Sprache der Mediziner, Juristen, usw., eine Sprache des Volkes ist, die vom Volk für das Volk geschaffen wurde. Sie ist eine populäre Fachsprache. Aus diesem Grunde ist es Aufgabe des Fußballberichterstatters, sich dem Leser möglichst in seiner eigenen Sprache verständlich zu machen.

Fortsetzung folgt …

Autor: Aniello Scognamiglio

Fotonachweis: Gerd Altmann (pixelio.de)